Rechtsschutzversicherung: Besteht der Streit schon – oder möchten Sie vorsorgen?
Bei einer Rechtsschutzversicherung ist eine Frage besonders wichtig: Gibt es bereits einen konkreten Streit – oder möchten Sie sich für einen möglichen zukünftigen Rechtsstreit absichern?
Denn eine Rechtsschutzversicherung sollte grundsätzlich bestehen, bevor der konkrete Rechtsschutzfall eintritt. Wer erst nach einer Kündigung, einem Mietstreit oder einem anderen bereits entstandenen Konflikt eine Versicherung abschließt, kann diesen Fall in der Regel nicht einfach nachträglich versichern.
Stellen Sie sich ein Haus vor, das bereits brennt: Die Feuerversicherung schließen Sie besser vorher ab. Beim Rechtsschutz ist der Grundgedanke ähnlich.
Gibt es dagegen noch keinen konkreten Streit, können Sie in Ruhe überlegen, welche rechtlichen Risiken Sie absichern möchten – und welche Kosten Sie im Ernstfall selbst tragen könnten.
Die erste Frage lautet deshalb nicht: Welcher Tarif ist der beste? Sondern: Besteht das Problem bereits – oder können Sie noch vorsorgen?
Sie haben bereits einen konkreten Rechtsstreit
Vielleicht haben Sie eine Kündigung erhalten, Streit mit Ihrem Vermieter, Ärger nach einem Verkehrsunfall oder ein anderes rechtliches Problem.
Haben Sie bereits eine Rechtsschutzversicherung, sollte jetzt geprüft werden, ob der betroffene Rechtsbereich versichert ist und ob für den konkreten Fall Versicherungsschutz bestehen kann.
Haben Sie keinen passenden Versicherungsschutz, müssen Sie mögliche Anwalts-, Gerichts- und weitere Kosten gegebenenfalls selbst tragen. Dann wird der Rechtsstreit auch zu einer finanziellen Frage: Reichen Ihre Rücklagen aus, um Ihre Interessen trotzdem verfolgen zu können?
Sie haben aktuell keinen Rechtsstreit
Dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt, sich mit dem Thema zu beschäftigen.
Nicht weil Sie möglichst viel versichern sollten, sondern weil Sie noch entscheiden können, welche rechtlichen Risiken Sie selbst tragen möchten und bei welchen Sie im Ernstfall Unterstützung haben wollen.
Dafür schauen wir jetzt nicht zuerst auf Tarife, sondern auf Situationen aus Ihrem Leben: Beruf, Verkehr, Wohnen, Vermietung, private Streitigkeiten oder eine selbstständige beziehungsweise gewerbliche Tätigkeit.
Bei jeder Situation können Sie sich zwei Fragen stellen:
Könnte mich das betreffen?
Und was würde es für mich bedeuten, wenn ich meine rechtlichen Interessen aus eigener Tasche durchsetzen müsste?
Aus Ihren Risiken, Ihren Rücklagen und Ihrem persönlichen Sicherheitsbedürfnis ergibt sich, welcher Rechtsschutz zu Ihnen passen kann.
Welche Rechtsstreitigkeiten könnten Sie selbst treffen?
Rechtliche Konflikte entstehen meistens nicht, weil jemand einen „Berufsrechtsschutz“ oder „Verkehrsrechtsschutz“ benötigt. Sie entstehen aus ganz normalen Situationen im Leben.
Schauen Sie deshalb zunächst darauf, wo bei Ihnen ein Konflikt entstehen könnte – und was Sie dann tun würden.
Ihr Arbeitgeber kündigt Ihnen
Sie erhalten eine Kündigung, mit der Sie nicht einverstanden sind. Vielleicht möchten Sie zunächst wissen, ob die Kündigung wirksam ist. Vielleicht möchten Sie dagegen vorgehen.
Gerade im Arbeitsrecht können eigene Kosten schnell relevant werden: In der ersten Instanz vor dem Arbeitsgericht trägt grundsätzlich jede Partei ihre eigenen Anwaltskosten – auch wenn sie den Rechtsstreit gewinnt.
Bevor Sie dafür eine Rechtsschutzversicherung einplanen, sollten Sie aber prüfen, welchen Rechtsschutz Sie möglicherweise bereits haben.
Sind Sie Mitglied einer Gewerkschaft, kann über Ihre Mitgliedschaft bereits arbeitsrechtliche Beratung und Rechtsschutz möglich sein. Je nach Gewerkschaft und deren Voraussetzungen kann das auch die Vertretung vor Gericht und die Übernahme entsprechender Kosten umfassen.
Besteht kein solcher Schutz, stellt sich die finanzielle Frage: Würden Sie einen arbeitsrechtlichen Streit selbst bezahlen und dafür gegebenenfalls Ihre Rücklage einsetzen – oder möchten Sie dieses Risiko absichern?
Erst vorhandenen Rechtsschutz prüfen – dann entscheiden, ob zusätzlicher Berufsrechtsschutz benötigt wird.
Sie haben einen Verkehrsunfall – und plötzlich gibt es Streit
Ein Unfall ist passiert. Doch die Beteiligten sind sich nicht einig, wer verantwortlich ist. Vielleicht geht es um Schadenersatz, Schmerzensgeld oder andere Ansprüche.
Oder Sie haben gar keinen Unfall, sondern Ärger wegen eines Bußgeldbescheids oder Ihres Führerscheins.
Jetzt möchten Sie Ihre rechtliche Position klären und gegebenenfalls durchsetzen.
Was würde das für Sie bedeuten? Würden Sie die notwendigen Kosten selbst übernehmen – oder möchten Sie gerade für solche Situationen abgesichert sein?
Dafür kann der Verkehrsrechtsschutz relevant sein. Wer viel mit Auto, Motorrad oder anderen Verkehrsmitteln unterwegs ist, kann dieses Risiko anders bewerten als jemand, der kaum am Straßenverkehr teilnimmt.
Sie haben Streit mit Ihrem Vermieter
Eine Mieterhöhung, eine Kündigung, die Nebenkostenabrechnung oder eine andere Auseinandersetzung rund um Ihre Wohnung: Aus einer zunächst kleinen Meinungsverschiedenheit kann ein rechtlicher Konflikt entstehen.
Die eigene Wohnung hat dabei eine besondere Bedeutung. Ein Streit lässt sich nicht immer einfach dadurch beenden, dass man ihm aus dem Weg geht.
Was würde das für Sie bedeuten? Wie wichtig wäre es Ihnen, Ihre Rechte notfalls mit anwaltlicher Unterstützung durchsetzen zu können?
Für Mieter kann deshalb ein entsprechender Wohnungsrechtsschutz relevant sein.
Sie besitzen eine Immobilie und nutzen sie selbst
Auch als Eigentümer können rechtliche Auseinandersetzungen rund um die eigene Immobilie entstehen – beispielsweise mit Nachbarn oder in anderen grundstücksbezogenen Fragen.
Ob und welcher Rechtsschutz dafür benötigt wird, hängt davon ab, wie die Immobilie genutzt wird und welche Risiken abgesichert werden sollen.
Eigentum allein beantwortet die Versicherungsfrage noch nicht. Entscheidend ist Ihre konkrete Situation.
Sie vermieten eine Wohnung oder ein Haus
Dann verändert sich das Risiko. Es kann beispielsweise Streit mit einem Mieter über Mietzahlungen, eine Kündigung oder andere Fragen aus dem Mietverhältnis geben.
Solche Vermieterrisiken sollten nicht einfach mit dem Rechtsschutz für die selbst genutzte Wohnung gleichgesetzt werden.
Was würde ein längerer Rechtsstreit für Sie als Vermieter finanziell bedeuten?
Wer Immobilien vermietet, sollte deshalb gezielt prüfen, ob und in welchem Umfang Vermieterrechtsschutz benötigt wird.
Sie haben einen Streit im privaten Alltag
Sie kaufen etwas oder beauftragen eine Leistung – und anschließend gibt es Streit über den Vertrag. Oder Sie wurden geschädigt und möchten eigene Schadenersatzansprüche durchsetzen.
Nicht jede Meinungsverschiedenheit führt vor Gericht. Aber wenn es ernst wird, kann die Frage entstehen, ob Sie einen Anwalt einschalten und Ihre Ansprüche weiterverfolgen.
Was würden Sie tun, wenn Sie überzeugt sind, im Recht zu sein – die Durchsetzung Ihres Rechts aber Geld kostet?
Für bestimmte rechtliche Auseinandersetzungen des privaten Alltags kann der Privatrechtsschutz relevant sein. Welche Fälle tatsächlich versichert sind, hängt von den vereinbarten Leistungen ab.
Sie sind selbstständig oder haben einen Betrieb
Dann sollten private und gewerbliche Rechtsrisiken sauber voneinander getrennt werden.
Ein Konflikt mit einem Kunden, Lieferanten oder Mitarbeiter entsteht aus einer anderen Situation als ein privater Rechtsstreit. Ein privater Rechtsschutzvertrag deckt deshalb nicht automatisch die rechtlichen Risiken Ihrer betrieblichen Tätigkeit ab.
Welche Rechtsstreitigkeiten könnten aus Ihrer Tätigkeit entstehen – und welche finanziellen Folgen hätten sie für Ihren Betrieb und für Sie persönlich?
Bei Selbstständigen und Unternehmen sollte deshalb zunächst der konkrete betriebliche Bedarf betrachtet werden, bevor über eine passende gewerbliche Rechtsschutzlösung entschieden wird.
Haben Sie sich in einer Situation wiedererkannt?
Dann wissen Sie jetzt schon mehr über Ihren Rechtsschutzbedarf als durch einen Blick auf eine Tarifliste.
Vielleicht ist für Sie der Beruf besonders wichtig. Vielleicht fahren Sie täglich Auto. Vielleicht vermieten Sie mehrere Wohnungen. Oder Sie möchten vor allem bei privaten Rechtsstreitigkeiten nicht überlegen müssen, ob Sie sich einen Anwalt leisten können.
Sie brauchen deshalb nicht automatisch jeden Rechtsschutzbaustein.
Entscheidend ist, welche Konflikte bei Ihnen tatsächlich entstehen können, wie wichtig es Ihnen wäre, Ihre Interessen dann durchzusetzen – und welchen Teil des finanziellen Risikos Sie selbst tragen können und möchten.
Ihre Situation bestimmt den Bedarf – nicht die Anzahl der verfügbaren Versicherungsbausteine.
Was möchten Sie selbst tragen – und was absichern?
Wenn Sie sich in einer oder mehreren Situationen wiedererkannt haben, stellt sich die nächste Frage: Was würde ein Rechtsstreit finanziell für Sie bedeuten?
Ohne passenden Rechtsschutz tragen Sie mögliche Anwalts-, Gerichts- und weitere Kosten selbst. Wenn diese Kosten nicht aus dem laufenden Einkommen bezahlt werden können oder sollen, greifen Sie dafür auf Ihre Rücklagen zurück.
Das muss nicht grundsätzlich falsch sein. Sie können bestimmte Risiken bewusst selbst tragen. Entscheidend ist aber, dass diese Entscheidung zu Ihrer finanziellen Situation passt.
Fragen Sie sich deshalb: Wie viel eigenes Geld würde ich für einen Rechtsstreit einsetzen können und wollen, ohne dass dadurch meine wichtigen Rücklagen für andere ungeplante Ausgaben fehlen?
Auch mit Rechtsschutz bleibt ein Eigenanteil
Mit einer Rechtsschutzversicherung verschwindet die Frage nach den eigenen Rücklagen nicht vollständig. Viele Tarife sehen eine Selbstbeteiligung vor.
Vereinbaren Sie beispielsweise 150, 300 oder 500 Euro Selbstbeteiligung, tragen Sie diesen Betrag im Rechtsschutzfall grundsätzlich selbst, soweit die vereinbarte Selbstbeteiligung anfällt.
Eine höhere Selbstbeteiligung kann den Versicherungsbeitrag reduzieren. Dafür bleibt mehr vom finanziellen Risiko bei Ihnen.
Die Frage sollte deshalb nicht nur lauten: Wie wird mein Beitrag möglichst günstig? Sondern auch: Welchen Betrag kann und möchte ich im Ernstfall problemlos selbst bezahlen?
Die Selbstbeteiligung sollte zu Ihrer Rücklage passen – nicht nur zum gewünschten Versicherungsbeitrag.
→ Selbstbeteiligungen bei Versicherungen richtig einplanen
Welche Rechtsschutzbereiche brauchen Sie tatsächlich?
Sie haben jetzt gesehen, welche Konflikte Sie persönlich treffen könnten und welchen Teil des finanziellen Risikos Sie selbst tragen möchten.
Jetzt können Sie daraus ableiten, welche Bereiche überhaupt abgesichert werden sollen.
Dabei gilt nicht: Je mehr Bausteine, desto besser. Entscheidend ist, welche Risiken zu Ihrer Lebenssituation passen und welchen Schutz Sie möglicherweise bereits haben.
Privatrechtsschutz
Der Privatrechtsschutz kann bestimmte rechtliche Auseinandersetzungen aus Ihrem privaten Alltag absichern – beispielsweise wenn es um Verträge oder die Durchsetzung von Schadenersatzansprüchen geht.
Wichtig: „Privatrechtsschutz“ bedeutet nicht, dass jeder private Rechtsstreit versichert ist. Entscheidend sind die versicherten Leistungsarten und die Bedingungen des jeweiligen Tarifs.
Berufsrechtsschutz
Für Arbeitnehmer kann der Berufsrechtsschutz bei arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen wichtig sein.
Prüfen Sie vorher, ob bereits anderer Schutz besteht. Als Gewerkschaftsmitglied können Sie beispielsweise unter bestimmten Voraussetzungen arbeitsrechtlichen Rechtsschutz über Ihre Gewerkschaft erhalten.
Zusätzlicher Berufsrechtsschutz sollte deshalb eine tatsächlich vorhandene Lücke schließen.
Verkehrsrechtsschutz
Wer am Straßenverkehr teilnimmt, kann mit rechtlichen Auseinandersetzungen konfrontiert werden – unabhängig davon, ob es um einen Unfall, Schadenersatz oder bestimmte verkehrsrechtliche Verfahren geht.
Prüfen Sie beim Verkehrsrechtsschutz nicht nur den Preis, sondern auch, welche Personen, Fahrzeuge und Verkehrssituationen abgesichert sind.
Rechtsschutz rund ums Wohnen
Mieter und selbst nutzende Eigentümer können rechtliche Risiken rund um Wohnung und Grundstück haben.
Auch hier lohnt sich zunächst die Frage, welcher Schutz bereits vorhanden ist. Mieter können beispielsweise über einen Mieterverein bestimmte Beratungs- oder Rechtsschutzleistungen erhalten.
Erst danach lässt sich beurteilen, ob zusätzlicher Wohnungs- oder Grundstücksrechtsschutz benötigt wird.
Rechtsschutz für Vermieter
Wer eine Immobilie vermietet, sollte dieses Risiko getrennt betrachten. Rechtliche Auseinandersetzungen aus einem Mietverhältnis sind nicht einfach dasselbe wie der Rechtsschutz für die selbst genutzte Wohnung.
Deshalb sollten die tatsächlich vermieteten Objekte und die daraus entstehenden rechtlichen Risiken betrachtet werden.
Rechtsschutz für Selbstständige und Unternehmen
Betriebliche Rechtsrisiken sollten nicht einfach mit privaten Risiken gleichgesetzt werden.
Welche Absicherung benötigt wird, hängt von Ihrer Tätigkeit und den möglichen rechtlichen Konflikten Ihres Unternehmens ab. Deshalb sollte hier der konkrete betriebliche Bedarf vor der Auswahl eines Tarifs stehen.
Ihre Lebenssituation bestimmt die benötigten Rechtsbereiche – nicht die Paketgröße eines Rechtsschutztarifs.
Wann zahlt die Rechtsschutzversicherung eigentlich?
Sie haben geklärt, welche Rechtsbereiche für Sie wichtig sind. Damit ist aber noch nicht automatisch jeder Streit versichert.
Ob eine Rechtsschutzversicherung die Kosten übernimmt, hängt vom konkreten Rechtsfall, dem versicherten Bereich und den vereinbarten Bedingungen ab.
Einige Punkte sollten Sie deshalb kennen, bevor Sie einen Tarif auswählen.
Der Zeitpunkt des Rechtsstreits ist entscheidend
Rechtsschutz ist grundsätzlich für zukünftige Rechtsstreitigkeiten gedacht. Entscheidend ist deshalb, wann der für den Versicherungsschutz maßgebliche Rechtsschutzfall eingetreten ist.
Bestand der Konflikt bereits vor Abschluss der Versicherung oder liegt der maßgebliche Zeitpunkt innerhalb einer vereinbarten Wartezeit, kann für diesen Fall kein Versicherungsschutz bestehen.
Deshalb gilt weiterhin: Das Haus besser versichern, bevor es brennt.
Was bedeutet Wartezeit?
Für bestimmte Rechtsschutzbereiche kann nach Vertragsbeginn eine Wartezeit gelten. Während dieser Zeit besteht für entsprechende neu eintretende Fälle noch kein Versicherungsschutz.
Die Wartezeit ist nicht bei jedem Rechtsbereich und jedem Tarif gleich. Deshalb sollten Sie prüfen, ab wann der von Ihnen gewünschte Schutz tatsächlich besteht.
Was übernimmt die Rechtsschutzversicherung?
Besteht Versicherungsschutz für den konkreten Fall, können je nach Vertrag beispielsweise Kosten für Rechtsanwälte und Gerichte sowie bestimmte Kosten für Sachverständige, Zeugen oder die Gegenseite übernommen werden.
Welche Kosten in welcher Höhe übernommen werden, richtet sich nach dem vereinbarten Versicherungsschutz und den Bedingungen.
Was bedeutet Deckungszusage?
Bevor größere Kosten entstehen, sollte geklärt werden, ob der Versicherer für den konkreten Rechtsfall Versicherungsschutz gewährt.
Mit einer Deckungszusage bestätigt der Rechtsschutzversicherer die Kostenübernahme im zugesagten Umfang.
Ein Rechtsschutzvertrag allein bedeutet also noch nicht, dass jeder Rechtsstreit automatisch bezahlt wird.
Was ist nicht automatisch versichert?
Auch ein umfangreicher Rechtsschutz hat Grenzen. Bestimmte Rechtsgebiete oder Streitigkeiten können ausgeschlossen oder nur eingeschränkt versichert sein.
Besonders wichtig ist deshalb nicht die Frage, welcher Tarif möglichst viele Leistungen aufzählt, sondern: Sind gerade die Rechtsrisiken abgesichert, die für Ihre Situation wichtig sind?
Erst Bedarf bestimmen – dann prüfen, ob der Tarif diesen Bedarf tatsächlich abdeckt.
Welche Kosten kann eine Rechtsschutzversicherung übernehmen?
Ein Rechtsstreit kann unterschiedliche Kosten verursachen. Je nach versichertem Rechtsfall und Tarif kann die Rechtsschutzversicherung beispielsweise Kosten für Rechtsanwälte und Gerichte sowie bestimmte Kosten für Zeugen, Sachverständige oder die Gegenseite übernehmen.
Welche Kosten tatsächlich übernommen werden und bis zu welcher Höhe Versicherungsschutz besteht, richtet sich nach dem jeweiligen Vertrag.
Genau deshalb kann Rechtsschutz für die eigene Finanzplanung wichtig sein: Sie tauschen ein schwer vorhersehbares Kostenrisiko gegen einen kalkulierbaren Versicherungsbeitrag und eine gegebenenfalls vereinbarte Selbstbeteiligung.
Versichert wird nicht der Streit selbst – sondern das finanzielle Risiko bestimmter versicherter Rechtsstreitigkeiten.
Eine hohe Versicherungssumme allein macht noch keinen guten Rechtsschutz
Beim Tarifvergleich fällt schnell die Versicherungssumme ins Auge. Sie bestimmt, bis zu welcher Höhe der Versicherer im versicherten Fall Leistungen übernimmt.
Eine hohe Versicherungssumme hilft Ihnen aber wenig, wenn gerade der Rechtsbereich oder die Leistung nicht versichert ist, die Sie benötigen.
Prüfen Sie deshalb zuerst was versichert ist und anschließend, in welcher Höhe Versicherungsschutz besteht.
Freie Anwaltswahl – kann ich meinen Anwalt selbst wählen?
Für viele Menschen ist wichtig, im Rechtsstreit einen Anwalt ihres Vertrauens wählen zu können. Deshalb sollten Sie beim Tarifvergleich auch darauf achten, welche Regelungen der Vertrag zur Anwaltswahl vorsieht.
Versicherer können zusätzlich eigene Anwaltsservices oder Empfehlungen anbieten. Das bedeutet nicht automatisch, dass Sie diese nutzen müssen.
Worauf sollten Sie beim Rechtsschutzvergleich achten?
Wenn Sie wissen, welche Rechtsbereiche Sie absichern möchten, können Sie passende Tarife vergleichen.
Der Beitrag ist dabei nur ein Teil der Entscheidung. Ein günstiger Tarif hilft wenig, wenn gerade der Rechtsbereich oder die Leistung fehlt, die Sie im Ernstfall benötigen.
Sind die für Sie wichtigen Rechtsbereiche versichert?
Prüfen Sie zuerst, ob die zuvor ermittelten Bereiche tatsächlich eingeschlossen sind: beispielsweise Privat, Beruf, Verkehr oder Wohnen.
Besondere Situationen wie Vermietung oder eine selbstständige beziehungsweise gewerbliche Tätigkeit sollten gesondert betrachtet werden.
Ab wann besteht Versicherungsschutz?
Achten Sie auf mögliche Wartezeiten und darauf, welche Regelungen für bereits entstandene oder absehbare Konflikte gelten.
Gerade hier zeigt sich wieder, warum Rechtsschutz möglichst vor einem konkreten Problem abgeschlossen werden sollte.
Welche Selbstbeteiligung möchten Sie übernehmen?
Vergleichen Sie nicht nur den Versicherungsbeitrag bei unterschiedlichen Selbstbeteiligungen.
Entscheidend ist, welchen Eigenanteil Sie im Rechtsfall problemlos aus Ihrer Rücklage bezahlen können und bewusst selbst tragen möchten.
Welche Leistungen sind Ihnen wichtig?
Schauen Sie nicht nur auf eine lange Liste von Tarifmerkmalen. Prüfen Sie gezielt die Leistungen, die zu den von Ihnen erkannten Risiken passen.
Dazu können beispielsweise Regelungen zur Anwaltswahl, telefonische Rechtsberatung, Mediation oder weitere Unterstützungsleistungen gehören.
Wie hoch ist der Versicherungsschutz?
Prüfen Sie auch, bis zu welcher Höhe Kosten übernommen werden und ob besondere Begrenzungen für bestimmte Leistungen oder Fälle gelten.
Eine hohe Versicherungssumme allein ersetzt aber nicht den Blick auf die tatsächlich versicherten Rechtsbereiche und Leistungen.
Jetzt können Sie passend zu Ihrer Situation vergleichen
Sie haben jetzt geklärt, welche Rechtsstreitigkeiten Sie betreffen könnten, welchen Schutz Sie möglicherweise bereits haben, welche Risiken Sie selbst tragen möchten und welche Rechtsschutzbereiche für Sie wichtig sind.
Erst jetzt wird der Tarifvergleich sinnvoll.
Vergleichen Sie Leistungen und Bedingungen zuerst anhand Ihres Bedarfs – und anschließend den Preis.
→ Rechtsschutzversicherung vergleichen
Erst Situation verstehen → vorhandenen Schutz prüfen → eigenes Risiko bestimmen → Leistungen vergleichen → passenden Rechtsschutz wählen.
*Quellen und rechtliche Grundlagen
Einige Aussagen auf dieser Seite beruhen auf gesetzlichen Regelungen und rechtlichen Grundlagen. Wenn Sie einzelne Punkte genauer nachlesen möchten, finden Sie hier weiterführende Quellen.
Kosten vor dem Arbeitsgericht
Im Urteilsverfahren der ersten Instanz besteht grundsätzlich kein Anspruch der obsiegenden Partei auf Erstattung ihrer Anwaltskosten durch die Gegenseite. Die gesetzliche Grundlage ist § 12a Arbeitsgerichtsgesetz.
→ § 12a Arbeitsgerichtsgesetz – Gesetze im Internet ↗
Freie Anwaltswahl in der Rechtsschutzversicherung
Das Versicherungsvertragsgesetz regelt in § 127 die freie Anwaltswahl in der Rechtsschutzversicherung. Die Vorschrift enthält allerdings auch den Bezug darauf, dass die Vergütung des gewählten Rechtsanwalts vom Versicherungsvertrag getragen wird.
→ § 127 Versicherungsvertragsgesetz – Gesetze im Internet ↗
Wartezeiten beim Rechtsschutz
Wartezeiten hängen vom Rechtsbereich und vom jeweiligen Vertrag ab. Deshalb sollte vor Abschluss geprüft werden, ab wann der gewünschte Versicherungsschutz tatsächlich besteht. Einen verständlichen Überblick über typische Wartezeiten und Bereiche ohne Wartezeit bietet Finanztip.