Ratgeber Versicherungen
Welche Versicherungen brauche ich wirklich?
Bei Versicherungen stellt sich schnell die Frage: Was brauche ich wirklich – und worauf kann ich verzichten?
Eine pauschale Antwort gibt es darauf nicht. Denn welche Versicherungen wichtig und sinnvoll sind, hängt nicht nur von der Versicherung selbst ab, sondern vor allem von Ihrer persönlichen Lebenssituation und den finanziellen Folgen eines möglichen Schadens.
Deshalb beginnt ein sinnvoller Versicherungscheck bei finanzlogik nicht mit einer langen Liste von Versicherungen. Zuerst geht es um die Frage:
Was möchte ich absichern – und welche finanziellen Folgen könnte es haben, wenn etwas passiert?
Genau dabei hilft das finanzlogik PMSK-Prinzip. Es unterscheidet zwischen Pflicht, Muss, Sollte und Kann und hilft Ihnen, Ihren persönlichen Versicherungsbedarf Schritt für Schritt einzuordnen.
Nicht alles muss versichert werden
Kleinere Schäden lassen sich häufig aus eigenen Rücklagen bezahlen. Andere Ereignisse können dagegen so teuer werden, dass sie die eigene finanzielle Existenz oder die der Familie gefährden.
Deshalb ist nicht die Anzahl Ihrer Versicherungen entscheidend. Entscheidend ist, ob die für Sie wichtigen Risiken ausreichend abgesichert sind.
Ein einfaches Beispiel: Geht ein Smartphone kaputt, ist das ärgerlich. In der Regel lässt sich der finanzielle Schaden aber begrenzen. Fällt dagegen das Einkommen eines Hauptverdieners dauerhaft aus, können die Folgen für eine Familie erheblich sein.
Die entscheidende Frage lautet deshalb:
Was würde es für mich finanziell bedeuten, wenn das morgen passiert?
Je schwieriger Sie die finanziellen Folgen aus eigener Kraft auffangen könnten, desto wichtiger wird eine passende Absicherung.
Versicherungsbedarf ermitteln: Was möchten Sie absichern?
Bei der Frage „Welche Versicherungen brauche ich?“ wird häufig direkt über einzelne Produkte gesprochen: Brauche ich eine Unfallversicherung? Ist eine Hausratversicherung sinnvoll? Sollte ich eine Rechtsschutzversicherung haben?
Bei finanzlogik drehen wir die Betrachtung um.
Was möchten Sie absichern – und was würde finanziell passieren, wenn etwas passiert?
Dabei helfen zunächst vier einfache Fragen:
- Was möchte ich absichern? Zum Beispiel mein Einkommen, meine Familie, mein Haus oder mein Vermögen.
- Was könnte passieren und welche finanziellen Folgen hätte das?
- Welche Absicherung besteht bereits?
- Könnte ich die verbleibenden finanziellen Folgen selbst tragen?
Erst danach stellt sich die Frage, ob eine Versicherung notwendig oder sinnvoll ist.
Das hat einen wichtigen Vorteil: Eine bestimmte Versicherung muss nicht für jeden Menschen gleich wichtig sein. Einkommen, Familie, Beruf, Immobilien, vorhandenes Vermögen und bereits bestehende Absicherungen können die Beurteilung erheblich verändern.
Ihr Versicherungsbedarf ergibt sich aus Ihrem Leben – nicht aus einer allgemeinen Versicherungsliste.
Das finanzlogik PMSK-Prinzip
Mit dem finanzlogik PMSK-Prinzip ordnen Sie Ihren Versicherungsbedarf nach seiner Bedeutung für Ihre persönliche Situation:
P – Pflicht: Was vorgeschrieben ist
M – Muss: Was Ihre finanzielle Existenz schützen soll
S – Sollte: Was je nach Lebenssituation sinnvoll ist
K – Kann: Was Sie bewusst selbst entscheiden können
Dabei ist ein Punkt besonders wichtig:
Nicht die Versicherung selbst ist automatisch Pflicht, Muss, Sollte oder Kann. Entscheidend ist das Risiko in Ihrer persönlichen Lebenssituation.
Eine Versicherung, die für einen Menschen kaum Bedeutung hat, kann für einen anderen sehr wichtig sein. Das PMSK-Prinzip hilft Ihnen deshalb nicht dabei, möglichst viele Versicherungen abzuschließen. Es hilft Ihnen, Prioritäten zu setzen und Ihren tatsächlichen Versicherungsbedarf zu erkennen.
P – Pflicht: Was vorgeschrieben ist
Bei Pflicht ist die Entscheidung am einfachsten. Hier geht es um Versicherungen, die aufgrund gesetzlicher Vorgaben oder Ihrer persönlichen Situation vorgeschrieben sind.
Ein typisches Beispiel ist die Kfz-Haftpflichtversicherung: Besitzen Sie ein zulassungspflichtiges Kraftfahrzeug und möchten es im öffentlichen Straßenverkehr nutzen, benötigen Sie den vorgeschriebenen Haftpflichtschutz.
Auch die Krankenversicherung gehört in Deutschland grundsätzlich zur Pflichtabsicherung.
Entscheidend ist also auch bei „Pflicht“ Ihre Situation. Wer beispielsweise kein eigenes Kraftfahrzeug besitzt, benötigt selbstverständlich auch keine Kfz-Haftpflichtversicherung.
Die erste PMSK-Frage lautet deshalb:
Bin ich aufgrund meiner persönlichen Situation gesetzlich verpflichtet, diese Absicherung zu haben?
Ist die Antwort Ja, gehört sie in die Kategorie P – Pflicht.
M – Muss: Was Ihre finanzielle Existenz schützen soll
Bei Muss geht es um Risiken, die nicht unbedingt gesetzlich vorgeschrieben sind, deren finanzielle Folgen Sie aber ernsthaft in Schwierigkeiten bringen könnten.
Die entscheidende Frage lautet:
Könnte dieses Risiko meine finanzielle Existenz oder die meiner Familie gefährden?
Dabei geht es nicht darum, ob ein Schaden unangenehm oder teuer wäre. Entscheidend ist, ob Sie die möglichen finanziellen Folgen dauerhaft aus eigener Kraft tragen könnten.
Ein Beispiel ist die Haftung für Schäden, die Sie anderen zufügen. Je nach Schaden können daraus Forderungen entstehen, die weit über die eigenen Rücklagen hinausgehen.
Deshalb gilt bei M – Muss:
Je größer die möglichen finanziellen Folgen und je weniger Sie diese selbst tragen können, desto wichtiger ist die Absicherung.
Die zweite PMSK-Frage lautet:
Könnte ich die finanziellen Folgen dieses Risikos aus eigener Kraft tragen, ohne meine finanzielle Existenz oder die meiner Familie zu gefährden?
Ist die Antwort Nein, gehört dieses Risiko in der Regel in die Kategorie M – Muss.
S – Sollte: Was je nach Lebenssituation sinnvoll ist
Bei S – Sollte geht es um Absicherungen, deren finanzielle Folgen Sie grundsätzlich selbst tragen könnten, die Sie aber deutlich zurückwerfen würden.
Anders als bei M – Muss wäre Ihre finanzielle Existenz normalerweise nicht bedroht. Ein größerer Schaden könnte jedoch Ihre Rücklagen erheblich reduzieren oder andere finanzielle Pläne gefährden.
Ob eine solche Absicherung sinnvoll ist, hängt deshalb besonders von Ihrer persönlichen Situation ab. Derselbe Schaden kann für jemanden mit hohen Rücklagen problemlos zu verkraften sein, während er für jemand anderen eine erhebliche finanzielle Belastung darstellt.
Die entscheidende Frage lautet:
Könnte ich die finanziellen Folgen selbst tragen, würden sie meine Rücklagen oder meine finanzielle Planung aber erheblich belasten?
Ist die Antwort Ja, kann die Absicherung zu S – Sollte gehören.
K – Kann: Was Sie bewusst selbst entscheiden können
Bei K – Kann geht es um Absicherungen gegen finanzielle Folgen, die Sie problemlos aus eigenen Mitteln tragen könnten.
Das bedeutet nicht, dass eine solche Versicherung grundsätzlich überflüssig ist. Sie kann Ihnen Komfort, Planungssicherheit oder einfach ein besseres Gefühl geben. Die Entscheidung liegt hier stärker bei Ihren persönlichen Wünschen.
Dabei lohnt sich auch die Frage, ob die Versicherungsbeiträge langfristig in einem sinnvollen Verhältnis zu dem möglichen Schaden stehen.
Die entscheidende Frage lautet:
Kann ich die finanziellen Folgen problemlos selbst tragen, ohne meine Rücklagen oder meine finanzielle Planung wesentlich zu beeinträchtigen?
Ist die Antwort Ja, kann die Absicherung zu K – Kann gehören.
Warum Ihre Lebenssituation den Versicherungsbedarf verändert
Das PMSK-Prinzip bedeutet nicht, dass jede Versicherung bei jedem Menschen anders bewertet werden muss. Manche Risiken können für sehr viele Menschen existenzielle finanzielle Folgen haben.
Entscheidend ist aber immer die Frage, ob das Risiko in Ihrer persönlichen Lebenssituation überhaupt besteht und welche finanziellen Folgen es für Sie hätte.
Privathaftpflicht: Für fast jeden ein Muss
Wer einem anderen schuldhaft einen Schaden zufügt, kann dafür finanziell haften. Besonders bei Personenschäden können sehr hohe Schadenersatzforderungen entstehen.
Dieses Risiko können die wenigsten Menschen aus ihrem eigenen Vermögen tragen. Deshalb gehört eine gute private Haftpflichtversicherung für die meisten Menschen zu M – Muss.
Wichtig ist trotzdem der Blick auf die persönliche Situation: Kinder können beispielsweise noch über einen Familientarif der Eltern mitversichert sein. Es muss also nicht jeder einen eigenen Vertrag haben – das Haftpflichtrisiko sollte aber ausreichend abgesichert sein.
Arbeitseinkommen absichern: Wenn Krankheit das Einkommen gefährdet
Für die meisten Berufstätigen ist das eigene Arbeitseinkommen die Grundlage ihrer finanziellen Existenz. Fällt es über längere Zeit oder dauerhaft weg, laufen Miete oder Kreditrate, Lebenshaltungskosten und andere Verpflichtungen trotzdem weiter.
Dabei muss nicht erst eine dauerhafte Berufsunfähigkeit eintreten. Schon eine längere Krankheit kann zu einer spürbaren Einkommenslücke führen. Arbeitnehmer erhalten in der Regel zunächst sechs Wochen ihr Arbeitsentgelt weiter. Danach zahlt die gesetzliche Krankenversicherung Krankengeld, das grundsätzlich begrenzt ist.
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) soll vor den finanziellen Folgen schützen, wenn Sie Ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft nicht mehr oder nur noch eingeschränkt ausüben können. Für Menschen, die ihren Lebensunterhalt aus ihrem Arbeitseinkommen bestreiten, sichert sie damit ein existenzielles Risiko ab. Auch die Verbraucherzentrale zählt die BU für Menschen, die von ihrem Einkommen leben, zu den wichtigsten privaten Absicherungen.
Bei guten Tarifen kann zusätzlich eine Arbeitsunfähigkeitsklausel (AU-Klausel) vereinbart sein. Dann kann die Versicherung bereits bei einer länger andauernden ärztlich bescheinigten Arbeitsunfähigkeit leisten, obwohl eine Berufsunfähigkeit noch nicht festgestellt wurde. Die Voraussetzungen und die Dauer dieser Leistung hängen vom jeweiligen Vertrag ab. Auch ein Krankentagegeld kann – je nach persönlicher Situation – eine Einkommenslücke während längerer Krankheit schließen.
Für das PMSK-Prinzip ist deshalb nicht allein die Frage entscheidend:
„Brauche ich eine Berufsunfähigkeitsversicherung?“
Sondern:
„Wie lange könnte ich meine laufenden Kosten bezahlen, wenn mein Arbeitseinkommen wegen Krankheit oder Berufsunfähigkeit wegfällt?“
Wer auf sein Arbeitseinkommen angewiesen ist und einen längeren oder dauerhaften Einkommensausfall nicht aus eigenen Mitteln auffangen kann, sollte dieses Risiko bei M – Muss einordnen.
Wohngebäudeversicherung: Muss für Eigentümer – kein eigener Bedarf für Mieter
Wer kein Haus besitzt, braucht auch keine Wohngebäudeversicherung.
Für einen Hauseigentümer sieht die Situation völlig anders aus. Ein Brand, Sturm- oder Leitungswasserschaden kann einen Vermögenswert von mehreren Hunderttausend Euro betreffen. Bei einer finanzierten Immobilie kommt hinzu, dass Kreditinstitute regelmäßig einen entsprechenden Versicherungsschutz verlangen.
Damit kann die Wohngebäudeversicherung für einen Immobilieneigentümer eindeutig zu M – Muss gehören, während sie für einen Mieter überhaupt keinen eigenen Versicherungsbedarf darstellt.
Risikolebensversicherung: Entscheidend ist, wer finanziell betroffen wäre
Bei der Risikolebensversicherung wird besonders deutlich, warum eine allgemeine Versicherungsliste nicht ausreicht.
Ein Single ohne Kinder und ohne größere finanzielle Verpflichtungen benötigt möglicherweise keine Todesfallabsicherung.
Bei einer Familie mit Kindern und einem Hauptverdiener kann das ganz anders aussehen. Stirbt der Hauptverdiener, fällt nicht nur ein Mensch, sondern auch ein wesentlicher Teil des Familieneinkommens weg.
Auch ein Single mit einer finanzierten Immobilie kann einen Absicherungsbedarf haben – beispielsweise wenn die Finanzierung im Todesfall nicht aus dem vorhandenen Vermögen zurückgeführt werden könnte oder vertragliche Anforderungen des Kreditgebers bestehen. Hier sollte man allerdings die konkreten Kreditbedingungen prüfen und nicht pauschal behaupten, jede Bank verlange eine Risikolebensversicherung.
Die Versicherung ist dieselbe. Das Risiko und seine finanziellen Folgen sind andere.
So machen Sie Ihren persönlichen Versicherungscheck
Jetzt können Sie Ihre bestehenden Versicherungen aus einem anderen Blickwinkel betrachten.
Fragen Sie nicht nur: „Habe ich diese Versicherung?“, sondern:
Was möchte ich damit absichern?
Was würde finanziell passieren, wenn etwas passiert?
Welche Absicherung habe ich bereits?
Könnte ich die Folgen selbst tragen?
Mit PMSK können Sie anschließend einordnen, ob die Absicherung für Sie Pflicht, Muss, Sollte oder Kann ist.
Wenn Sie zunächst herausfinden möchten, welche Versicherungen aufgrund Ihrer persönlichen Lebenssituation für Sie infrage kommen, können Sie dafür die finanzlogik Versicherung-Bedarfsermittlung nutzen.
Ihr Versicherungsbedarf verändert sich
Ein Versicherungscheck ist keine Aufgabe, die ständig wiederholt werden muss. Wenn Ihre Versicherungen zu Ihrer persönlichen Situation passen, darf das Thema auch erst einmal erledigt sein.
Prüfen Sie Ihren Versicherungsbedarf erneut, wenn sich in Ihrem Leben etwas Wesentliches verändert – zum Beispiel durch Familie, Immobilie, Berufswechsel, Selbstständigkeit, größere finanzielle Verpflichtungen oder den Ruhestand.
Denn mit Ihrer Lebenssituation kann sich auch verändern, was Sie absichern müssen, was sinnvoll ist und was Sie inzwischen selbst tragen können.
Erst Überblick schaffen, dann Versicherungsbedarf prüfen
Bevor Sie neue Versicherungen abschließen oder bestehende Verträge verändern, sollten Sie wissen, was bereits vorhanden ist.
Sammeln Sie deshalb zunächst Ihre bestehenden Versicherungsverträge und erstellen Sie eine einfache Versicherungsübersicht. So erkennen Sie, welche Absicherungen bereits bestehen, was Sie dafür bezahlen und wo möglicherweise noch Fragen offen sind.
Versicherungen ordnen und Überblick schaffen
Wenn die Versicherungen passen – was kommt danach?
Gut abgesichert zu sein ist wichtig. Aber Versicherungen sind nur ein Teil Ihrer finanziellen Sicherheit.
Denn nicht für jede unerwartete Ausgabe brauchen Sie eine Versicherung. Manche Dinge sollten Sie aus eigenen Rücklagen bezahlen können.
Damit stellt sich die nächste Frage:
Wie viel Geld sollte jederzeit verfügbar sein, damit eine unerwartete Ausgabe Ihre Finanzplanung nicht durcheinanderbringt?
Genau hier kommt der nächste Baustein ins Spiel: Ihre finanzielle Rücklage.
Wie hoch sollte sie sein? Wo sollte das Geld liegen? Und wann ist genug Rücklage vorhanden, um mit dem langfristigen Vermögensaufbau zu beginnen?
Rücklagen und Finanzen richtig planen